Integration von Migranten durch kulturelle Filmarbeit?

Mit mehr als 100 Fachkräften der Jugend- und Kulturarbeit aus ganz Deutschland wurden alle Erwartungen bei der diesjährigen Jahrestagung des Bundesverbands Jugend und Film (BJF) zum Thema „Migration und Integration“ übertroffen. Bei der Tagung ging es darum, wie rezeptive und aktive Filmarbeit für Kinder und Jugendliche mit Flucht- und Migrationserfahrung dazu beitragen kann, ihnen etwas mehr an Sicherheit und Selbstwertgefühl zu vermitteln, denn diese sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Integration.
Der BJF ist bei dieser Aufgabe offenbar gut aufgestellt, wie sich anhand zahlreicher Filmbeispiele aus dem vereinseigenen Filmverleih Clubfilmothek, aber auch anhand filmpraktischer Projekte und Kooperationen zeigte. Die Bandbreite reicht vom gemeinsam mit dem Goethe-Institut gestarteten Filmkofferprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche „Cinemanya“ über von jungen Flüchtlingen gedrehte Filme, etwa im Rahmen von „Movies in Motion“ als Teil der bundesweiten Initiative „Kultur macht stark“, bis zur Werkstatt der jungen Filmszene, die jährlich zu Pfingsten stattfindet.
In seinem Impulsreferat zu Beginn der Tagung hatte Prof. Dr. Volker Hinnenkamp von der Hochschule Fulda dargelegt, dass Filme in Deutschland das Thema Migration bereits in den 1970er-Jahren aufgegriffen hatten, sich der Tenor dieser Filme aber vom harten Betroffenheitskino über die wertende Konfrontation zweier gegensätzlich dargestellter Kulturen hin zu mehr Empathie verändert hat. Nun werden die verschiedenen Kulturen gleichberechtigt dargestellt, was einen echten Austausch und tiefere menschliche Begegnungen erst möglich macht. Davon zeugen auch die vorgestellten Filme, die im Rahmen filmpraktischer Angebote des BJF entstanden sind. Für die filmpädagogische Tätigkeit stellen sich zugleich neue Herausforderungen, von veränderten Moderationstechniken über die Schaffung abgesicherter Rahmenbedingungen bei solchen Projekten bis hin zur weiteren Sensibilisierung für kulturspezifische Vorurteile und traumaspezifische Auslösefaktoren, die in den Kinofilmen auftauchen können. Weitere Informationen:
www.bjf.info

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