Große Klappe 2017

Der Berliner Filmemacher Florian Baron gewann beim 16. doxs-Festival in Duisburg mit seinem Festivalbeitrag „Joe Boots“ den von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb seit 2011 gestifteten Filmpreis „Große Klappe“ für den besten politischen Kinder- und Jugenddokumentarfilm. Baron (links im Bild mit dem Protagonisten des gleichnamigen Films) erzählt in seinem Film die Geschichte eines jungen Kriegsveteranen in der von Arbeitslosigkeit geprägten Stadt Pittsburgh (USA). In einer experimentellen dokumentarischen Form porträtiert der Berliner seinen Protagonisten bei dem Versuch, in ein normales, geregeltes Leben zurückzufinden – mit allen sichtbaren und unsichtbaren, körperlichen und psychischen Versehrtheiten. Baron war bereits mit dem Exposé zu diesem Film in Duisburg zu Gast: Als Stipendiat der doku.klasse 2016 hat er sein für die 3sat-Reihe „Ab 18!“ realisiertes Projekt auf dem Festival vorgestellt und mit Jugendlichen diskutiert.

Die zehnköpfige Jugendjury zeigte sich beeindruckt ob „der ästhetisch anspruchsvollen Bilder, die auf überzeugende Art und Weise mit dem Inhalt verknüpft sind“ und hebt in der Jurybegründung „das Aufgreifen verschiedener Perspektiven zum Thema Krieg, darunter Aspekte wie die Verherrlichung von Kriegseinsätzen, Kritik am Patriotismus oder der Umgang der Gesellschaft mit Zurückkommenden“ hervor. „Diese sehr ästhetische Darstellung der Konflikte des Veteranen geben dem Film eine besondere dokumentarische Kraft, die uns berührt und vollkommen überzeugt hat.“
Thomas Krüger, Preisstifter und Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, unterstreicht die Relevanz des Films für die politische Bildungsarbeit: „Für eine Gesellschaft, die den Frieden will, ist es wichtig, dass Jugendliche wissen, was Krieg bedeutet. Der prämierte Film gibt für diese Auseinandersetzung wichtige Impulse: Er ordnet die persönlichen Erfahrungen des Veteranen in den gesellschaftspolitischen Kontext ein und macht auf diese Weise sichtbar, wie Propaganda und Emotionen in Zeiten gesellschaftlicher Konflikte militärische Auseinandersetzungen wider jeder Vernunft als ‘gute Alternative’ erscheinen lassen. Wir freuen uns, dass die Jugendjury mit diesem Votum ein wichtiges und aktuelles Thema in den Fokus rückt.“
http://www.do-xs.de
http://www.bpb.de

Filme kennen kein Alter

Beim Deutschen Generationenfilmpreis sind Kreativität und Teamwork gefragt – das Alter der Filmemacher spielt keine Rolle. Ob spannende Spielfilme oder gesellschaftskritische Reportagen: der neu ausgeschriebene Deutsche Generationenfilmpreis ist ein Forum für bewegende Geschichten. Gefragt sind alle Themen und filmische Umsetzungen – besonders wichtig ist aber auch das Teamwork unterschiedlicher Generationen. „Filmemachen ist keine Frage des Alters. Diese Erfahrungen machen Jugendliche ebenso wie ältere Menschen, insbesondere, wenn sie ihr Filmprojekt gemeinsam realisieren“, so Jan Schmolling, Leiter des Generationenfilmpreises. Das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum organisiert seit 1998 diesen bundesweit einzigartigen Wettbewerb.
Der Generationenfilmpreis will ältere (ab 50 Jahre) und junge (bis 25 Jahre) Filmemacher zusammenbringen. In ihren Projekten leben die Teams ihre künstlerischen und kommunikativen Bedürfnisse aus, spiegeln ihre Lebenswirklichkeit und tragen zum gegenseitigen Verständnis zwischen Jung und Alt bei – dieses Fazit lässt sich mit Blick auf das umfangreiche Preisträgerarchiv ziehen.
Mit einem neuen Team-Award ermutigt der Wettbewerb Familien ebenso wie generationenübergreifende Projekte, die Leidenschaft fürs Filmemachen zu entdecken – etwa im Rahmen der Stadtteilarbeit, in Mehrgenerationenhäusern, Jugendzentren oder Seniorenheimen. „Der Dialog zwischen den Generationen droht in unserer Gesellschaft an manchen Stellen abzubrechen. Mit dem Generationenfilmpreis leisten wir einen Beitrag dazu, dass Vorurteile abgebaut und die Freude an kultureller Teilhabe gestärkt werden“, ergänzt Schmolling.
Die aktuelle Ausschreibung mit Preisen im Gesamtwert von 8.000 Euro läuft noch bis 15. Januar 2018. Neben dem Team-Award werden Preise in der Kategorien ‘50plus’, ‘generationenübergreifende Projekte’ sowie zum ‘Jahresthema’ vergeben.
http://www.deutscher-generationenfilmpreis.de

„Auf Augenhöhe“ gewinnt den Kindertiger 2017

Bereits zum zehnten Mal würdigen VISION KINO und KiKA ein besonders gelungenes Kinderfilm-Drehbuch. In diesem Jahr geht der mit 20.000 Euro dotierte Kindertiger an das Drehbuch zum Film „Auf Augenhöhe“ von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf. Über den Gewinner entschied ein Experten-Team, bestehend aus fünf filmkompetenten Mädchen und Jungen im Alter von neun bis zwölf Jahren. Im Berliner Filmtheater am Friedrichhain, in dem die Preisverleihung mit KiKA-Moderator Tim Gailus und 200 Schülerinnen und Schülern stattfand, übergab der stellvertretende FFA-Vorstand Frank Völkert die von der Filmförderungsanstalt gestiftete Auszeichnung an das begeisterte Autoren-Team. Ebenfalls nominiert und dafür mit 5.000 Euro prämiert, waren die Drehbücher zu den Filmen „König Laurin“ von Matthias Lang und „Nur ein Tag“ von Martin Baltscheit.
https://www.visionkino.de/projekte/drehbuchpreis-kindertiger/

Kinder- und Jugendpreise in Lübeck

Die 59. Nordischen Filmtage Lübeck konnten bei insgesamt 195 Filmen und 266 Vorführungen erneut ihre Besucherzahlen auf 33.000 Besuche steigern, was den bisher stärksten Besucherandrang in der Geschichte des Festivals ergibt.
Gleich von zwei Jurys ausgezeichnet wurde „Was werden die Leute sagen“ von Iram Haq, eine Koproduktion zwischen Norwegen, Deutschland und Schweden. Der Film über eine junge Frau zwischen zwei Kulturen, die sich als Pakistanerin in einen Norweger verliebt, erhielt den Publikumspreis der „Lübecker Nachrichten“ und eine Lobende Erwähnung der Jury für den NDR Filmpreis. Der Baltische Filmpreis für einen nordischen Spielfilm ging an den Psychothriller „Thelma“ von Joachim Trier.
Eine Fachjury vergab den Kinder- und Jugendfilmpreis an den schwedischen Film „Ab in den Himmel“ von Petter Lennstrand, der seine deutsche Erstaufführung bereits in der Sektion Generation der Berlinale hatte. Der Preis der Kinderjury ging an die dänische Komödie „Kidnapping“ von Frederik Meldal Nørgaard, dem das Kunststück gelang, perfekte Unterhaltung mit der sozialen Realität einer mittellosen und obdachlos gewordenen Familie zu verknüpfen. Weitere Preisträge siehe Website des Festivals.
http://www.filmtage.luebeck.de

Nominierungen Europäischer Filmpreis 2017

Während des Europäischen Filmfestivals in Sevilla haben die European Film Academy und EFA Productions die Nominierungen für den Europäischen Filmpreis 2017 verkündet. Die mehr als 3.000 EFA Mitglieder stimmen nun über die Gewinner ab, die bei der Preisverleihung am 9. Dezember in Berlin ausgezeichnet werden. Paula Beer wurde als Beste Hauptdarstellerin für „Frantz“ nominiert – für Deutschland geht außerdem der Dokumentarfilm „Austerlitz“ von Sergei Loznitsa ins Rennen. Dieser konkurriert mit dem polnischen Film „Komunia“ von Anna Zamecka, der spanisch-isländischen Koproduktion „Mein Leben – ein Tanz“ von Lucija Stojevic, dem niederländischen Film „Stranger in Pardise“ von Guido Hendrikx und der finnisch-bulgarischen Koproduktion „The Good Postman“ von Tonislav Hristov.
Nominiert für den Europäischen Film 2017 sind „120 battements par minute“ von Robin Campillo, „Loveless“ von Andrey Zvyagintsev, der bereits auf der Berlinale ausgezeichnete Film „Körper und Seele“ von Ildikó Enyedi, sowie „Die andere Seite der Hoffnung von Aki Kaurismäki und „The Square“ von Ruben Östlund.
Zwei Preise stehen bereits fest: Julie Delpy wird 2017 für ihren Europäischen Beitrag zum Weltkino ausgezeichnet, Aleksandr Sokurov erhält den Preis für ein Lebgenswerk. Die anderen Nominierungen sind der Website der Europäischen Filmakademie zu entnehmen.
http://www.europeanfilmawards.eu

MedienConcret Themenheft „Kinder- und Jugendfilm“

Tolle Filme für ein junges Publikum sind ein Stück Magie, entführen in unbekannte Welten oder sind ganz nah dran an der Lebenswelt der Heranwachsenden. Doch während Smartphones, Games oder Internet als aktuelle Jugendmedien alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist das „alte“ Medium Film in der Medienpädagogik zusehends aus dem Fokus geraten. Grund genug für eine Liebeserklärung an den Kinder- und Jugendfilm in der aktuellen Ausgabe der MedienConcret.
Hierzulande hat sich der Kinder- und Jugendfilm vom Problemfall zum Kassenschlager entwickelt. Neben erfolgreichen amerikanischen Animationsfilmen oder Kinderbuchverfilmungen erfährt auch das „Independent“-Kinderkino wieder eine spezielle Förderung. Und jenseits des Mainstreams oder der „Heile-Welt-Geschichten“ gibt es eine Fülle an Filmen, die Identifikationsmomente für die Nöte und Ängste des jungen Publikums bieten. Das aktuelle Themenheft enthält zahlreiche Beiträge zur Vielfalt des Kinder- und Jugendfilms. MedienConcret wird vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF) und dem jfc Medienzentrum herausgegeben und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Die aktuelle Ausgabe kann für 7,- Euro zzgl. Porto bei den Herausgebern oder online unter www.medienconcret.de bestellt werden.
http://www.medienconcret.de

Nordic Council Filmpreis 2017

Der finnische Film „Little Wing“ (Tyttö nimeltä Varpu) von der Autorin und Regisseurin Selma Vilhunen gewann den diesjährigen Filmpreis des Nordischen Rats, einen der wichtigsten Preise in Nordeuropa. Das Debütwerk erzählt die Geschichte der 12-jährigen Einzelgängerin Varpu, die schneller erwachsen werden muss, als es ihr lieb ist, während ihre Mutter sich immer noch weigert, selbst erwachsen zu werden. In einer Kurzschlussreaktion entscheidet sich Varpu daher, sich mit einem gestohlenen Auto auf den Weg von Helsinki nach Oulu zu machen, um dort ihren Vater zu finden, den sie noch nie in ihrem Leben getroffen hat. Die Begegnung mit dem offenbar psychisch erkrankten Vater entwickelt sich anders als erhofft, so dass Mutter und Tochter gezwungen sind, sich über ihre Rolle im Leben endlich klar zu werden.
Die Jury bescheinigte dem Film, der mit gängigen Rollenerwartungen und Klischees spielt, um sie dann infrage zu stellen, eine außergewöhnliche sensible Herangehensweise, wobei die Gefühle der Protagonisten sich vor allem in kleinen Gesten ausdrücken. – Ein wirklich sehenswerter Film, dem nur zu wünschen ist, dass er auch in Deutschland auf die Leinwand kommt.
http://www.nordiccouncilfilmprize.com

Retrospektive Tony Gatlif

Die 51. Internationalen Hofer Filmtage haben dem algerisch-französischen Roma-Regisseur Tony Gatlif die diesjährige Retrospektive gewidmet. Gatlif (rechts im Bild, im Gespräch mit Robert Fischer) präsentierte neun seiner wichtigsten Filme in Hof, darunter auch seinen neuen Film „Djam“, der voraussichtlich im Februar 2018 in die deutschen Kinos kommen wird und vor der Folie der aktuellen Flüchtlingsbewegungen auf der griechischen Insel Lesbos spielt.
Tony Gatlif wurde 1948 in Algier geboren als Sohn eines Berbers und einer Romni. Beide Kulturen haben ihn geprägt und starken Einfluss auf seine Filme genommen, in denen die Musik – sei es die der Sinti und Roma oder der Rembetiko wie in „Djam“ – eine zentrale dramaturgische Rolle spielt. Infolge des Algerienkriegs verließ Gatlif Anfang der 60er-Jahre seine Heimat und hielt sich in Frankreich zunächst als Theaterschauspieler über Wasser, bevor er sich entschied, Regisseur zu werden. Über seine Erfahrungen in der Fremde und als Mitglied der Roma-Gemeinde berichtet er auch in einem Artikel, auf den nachfolgend verwiesen wird.
http://www.hofer-filmtage.de
Siehe hierzu auch meinen Artikel:
https://mmm.verdi.de/beruf/feindbilder-schaffen-neue-probleme-45943

Hofer Dokumentarfilmpreis 2017

Der auf den Internationalen Hofer Filmtagen 2017 zum dritten Mal vergebene Granit-Dokumentarfilmpreis ging an den Film „Die Legende vom hässlichen König“ von Hüseyin Tabak („Deine Schönheit ist nichts wert“, „Das Pferd auf dem Balkon“). In seinem Dokumentarfilm, an dem er mehr als sieben Jahre lang arbeitete, geht er dem Leben und Werk des legendären kurdischen Filmemachers Yilmaz Güney nach, der sich sowohl als Darsteller als auch als Regisseur, Filmkünstler und Regimekritiker weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht hatte. Zu mehr als 100 Jahren Haft verurteilt, drehte er seine erfolgreichsten Filme aus dem Gefängnis heraus, darunter sein inzwischen frisch restauriertes Meisterwerk „Yol – Der Weg“, für den er 1982 die Goldene Palme in Cannes erhielt.
Für den in Deutschland geborenen und aufgewachsenen kurdischstämmigen Filmemacher Hüseyin Tabak, der bei Michael Haneke in Wien studierte, war Güney schon immer ein großes Vorbild. Gleichwohl ist Tabak der Gefahr entgangen, seiner Filmlegende einfach nur ein distanzloses Denkmal zu setzen oder ihn gar zum Helden zu stilisieren. Mit den Mitteln des Kinos und der Filmsprache, nicht zuletzt dank einer die bloße Chronologie sprengenden Dramaturgie ist es ihm gelungen, die Legende Güney wieder lebendig werden zu lassen und in Erinnerung zu rufen, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen. Das galt schon zu Güneys Lebzeiten und heute nicht minder.
http://www.hofer-filmtage.de

Preisträger beim 22. Schlingel-Festival

Einen neuen Besucherrekord mit etwa 24.000 Zuschauenden – 3000 mehr als im Vorjahr – konnte Festivalleiter Michael Harbauer (siehe Foto) für das 22. Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum „Schlingel“ in Chemnitz vermelden. 159 Produktionen aus 51 Ländern konkurrierten um die insgesamt 19 Preise im Gesamtwert von 64.000 Euro. Die diesjährigen Hauptpreise gingen an Produktionen aus Spanien, Frankreich und Großbritannien.
Der von der Europäischen Kinderjury vergebene Europäische Kinderfilmpreis der sächsischen Kunstministerin ging an den spanischen Fantasy- und Abenteuerfilm „Zip & Zap und die Kapitänsinsel“ von Oskar Santos. Der Hauptpreis der Sächsischen Landesmedienanstalt wurde von einer fünfköpfigen Fachjury an den britischen Film „Einfach Charlie“ von Rebekah Fortune vergeben. Auch die Juniorjury entschied sich für diesen Film, in dem ein 13-jähriger fußballbegeisterter Junge erkennt, dass er bisher im falschen Körper gelebt hat. Die Fachjury wählte auch den Preis der Stadt Chemnitz aus, der an den französischen, im wahren Sinn des Wortes phantastischen Film „Kleiner Schlingel Spirou“ von Nicolas Bary ging und von einem Jungen handelt, der seine vorbestimmte Zukunft mit Hilfe seiner Freunde am liebsten selbst gestalten möchte. Julian Ras, der im unteren Bild gerade seinen Preis vom „echten“ Schlingel entgegennimmt, wurde als bester Kinderdarsteller für seine Rolle in „Hotel The Big L“ ausgezeichnet. Der Film über die tragikomischen Versuche von vier Geschwistern, das Hotel ihres erkrankten Vaters vor dem Ruin zu bewahren, kommt im Frühjahr 2018 unter dem Titel „Allein unter Schwestern“ in die deutschen Kinos.
Alle weiteren Preise sind der Website des Festivals zu entnehmen.
http://www.ff-schlingel.de
http://kinderundjugendmedien.de/index.php/102-nachrichten/festivals/2161-traeume-und-fantasiewelten-festivalbericht-schlingel-2017