Kinderfilm-Aktion 2012

Zur Stärkung des Kinderfilms in Deutschland engagieren sich im Vorfeld der Novellierung des Filmförderungsgesetzes drei wichtige Filmpublikationen gemeinsam, wenn auch die Unabhängigkeit der jeweiligen Redaktionen gewahrt blieb.

Den Auftakt machte epd Film in seiner Januarausgabe, in der die Krise des Kinderfilms beschrieben und für eine größere Vielfalt plädiert wird.
Der film-dienst folgte in Ausgabe 2/12 mit weiteren Plädoyers und zur dringend erforderlichen Veränderung eingeschliffener Denkmuster.
Die Ausgabe 129-1/2012 der Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz bildete den Anschluss mit einem Sonderteil, in dem unter anderem Politiker zum Thema befragt werden.

Die beteiligten Redaktionen stellten für eine Kompilation die entsprechenden Auszüge zur Verfügung. Sie kann beispielsweise heruntergeladen werden unter:

http://www.kjk-muenchen.de/aktion/Kinderfilm_Aktion_2012.pdf

Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2012 – Kinderfilm

In seiner Rede bei der Preisverleihung des Deutschen Kinder-Medien-Festivals „Goldener Spatz“ 2011 in Erfurt wies Staatsminister Bernd Neumann, der Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien darauf hin, dass im Bereich des deutschen Kinderfilms „kaum noch Spielfilme nach neuen Stoffen entstehen, also ohne bekannte Vorlage, die aber die Gegenwart in Deutschland und die Lebenswirklichkeit der Kinder abbilden.“

Diese „Verarmung der Stoffe“ kommt bedauerlicherweise auch bei der Vorauswahl der Kommission für den Kinderfilm zum Ausdruck. Mit FÜNF FREUNDE (Regie Mike Marzuk), TOM SAWYER (Regie: Hermine Huntgeburth), VORSTADTKROKODILE 3 (Regie: Wolfgang Groos), WICKIE AUF GROSSER FAHRT (Regie: Christian Ditter) und YOKO (Regie: Franziska Buch) schafften es ausschließlich wieder Filme in die Vorauswahl, die nach bekannten Marken oder/und literarischen Vorlagen entstanden. Originalstoffe wie etwa DER HIMMEL HAT VIER ECKEN (Regie: Klaus Wirbitzky) oder der auf mehreren Festivals viel gelobte Film WINTERTOCHTER (Johannes Schmid), die den Mut aufbrachten, ihre Geschichten jenseits eingeschliffener und vor allem kommerziell erfolgversprechender Muster zu erzählen, finden sich nicht unter den Favoriten. Unter rein qualitativen Beurteilungskriterien lässt sich das nicht nachvollziehen, was aber nicht einmal ansatzweise gegen die nun ausgewählten Filme spricht, die genauso wie die genannten Originalstoffe ihre Stärken und Schwächen haben.

Die Auswahl wäre vielleicht nicht weiter tragisch, würde auf diese Weise in der Öffentlichkeit nicht erneut der reichlich eindimensionale Eindruck entstehen, es würde vollauf reichen, Kinderfilme spannend und unterhaltsam zu gestalten. Und wenn sie dann an der Kinokasse auch noch erfolgreich sind, müsse die Welt des deutschen Kinderfilms doch rundum in Ordnung sein. Das könnte sich als Trugschluss erweisen. ht

Der Kinderfilm in Deutschland könnte viel besser sein

Zur Stärkung des Kinderfilms in Deutschland wurden in den letzten Jahren viele Anstrengungen unternommen. Obwohl es immer mehr Kinderfilme in die Top-Listen der Kinocharts schaffen, erreichen viele internationale Produktionen in Deutschland aber ihr Zielpublikum nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten. Auch die Sendeplätze im Fernsehen sind knapp bemessen. Wie sich diese unbefriedigende Situation verbessern lässt, diskutierten im vergangenen Jahr gleich mehrere Veranstaltungen zur Situation des Kinderfilms in Deutschland. Deutliche Struktur- und Kommunikationsprobleme in allen Bereichen wurden dabei festgestellt. Auch die Presse kam nicht ungeschoren davon, zumal ihr (mit Ausnahme der Kinder und Jugendfilm Korrespondenz KJK als Deutschlands einziger Fachpublikation) eine oft pauschale Ignoranz gegenüber dem Kinderfilm unterstellt wurde. Einige engagierte Publikationen konnten in ihrem Bemühen, den wichtigen Stellenwert des Kinderfilms ins öffentliche Bewusstsein zu heben, nur punktuell Akzente setzen, die schnell wieder verpufften. Im Vorfeld der Novellierung des Filmförderungsgesetzes setzen daher einige ausgewählte Publikationen in einer gemeinsamen Aktion einen erneuten deutlichen Akzent auf das Thema „Kinderfilm“, der sich gerne weitere Zeitschriften und Zeitungen anschließen können.

Den Auftakt machte epd Film in seiner Januarausgabe, in der Katrin Hoffmann untersucht, ob der deutsche Kinder- und Jugendfilm in einer Krise steckt, und Margret Albers für die Vielfalt des Kinderfilms plädiert. Der film-dienst folgt in Ausgabe 2/12 mit weiteren Plädoyers zur dringend erforderlichen Veränderung eingeschliffener Denkmuster im unmittelbaren Bereich des Kinderfilms, aber auch beim Jugendmedienschutz und mit Beiträgen von Klaus-Dieter Felsmann, Christian Exner, Reinhold T. Schöffel und Holger Twele sowie einem Interview mit der Produzentin Uschi Reich. Den Abschluss bildet Ende Januar die neue Ausgabe der Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz mit einem Sonderteil, in dem neben Stellungnahmen der Regisseure Arend Agthe und Bernd Sahling sowie eines Interviews mit Alfred Holighaus zur Relevanz des Kinderfilms beim Deutschen Filmpreis in Gesprächen mit Manfred Hobsch auch Politiker selbst zu Wort kommen: Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Angelika Krüger-Leißner, die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Bundestages und filmpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion sowie Claudia Roth, Bündnis 90 / Die Grünen, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien des Bundestages.

Die betreffenden Ausgaben können von den Redaktionen angefordert werden unter:

film@epd.de
redaktion@film-dienst.de
mail@kjk-muenchen.de